Eins. Zwei. Drei. (Vier).

Wer pünktlich sein will, darf nicht mit längeren, lockigen Haaren in einem VW-Bus bei slowenischen Grenzbeamten verdächtig wirken. Obwohl das mit den Haaren nur bei dreien zutraf, dürften unsere Rucksäcke und Radtäschchen großes Interesse geweckt haben, bei den GrenzpolizistInnen. Wer pünktlich sein will, darf eigentlich auch nicht vor verlängerten Wochenenden mit dem Auto in Richtung Süden fahren. Wer pünktlich sein will, sollte lieber die Autobahn benützen und nicht irgendwelche Nebenstraßen.

Das hat uns die Unpünktlichkeit gelehrt. Noch bevor wir auf unseren Rädern saßen. Wir wollten doch nur Radfahren. Beim Felche. In Slowenien. Also einem Radbewerb, bei dem in mindestens 24 Stunden mindestens 360 Kilometer von mindestens 3 Personen gefahren werden müssen. Dabei darf die Strecke selbst gewählt werden. Nur das Ziel ist für alle teilnehmenden Teams dasselbe.

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Endlich angekommen. In der Nähe von Ljubljana. Ausgepackt. Aufgesattelt. Und schnell, schnell los geradelt. In die falsche Richtung. Aller Anfang ist nicht schwer aber manchmal verkehrt. All das war dann schon egal. Weil gemeinsames Radfahren und weil die untergehende Sonne uns auf die Straße malte. Kettensurren, nette Gespräche, drum herum Wiesen und Bäume voller Frühling und die Hände am Lenker.

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Auf einmal war sie weg, die Sonne, die Wärme und die Luft im Reifen von unserem akribischen Streckenplaner und Motivator. Das Loch im Schlauch war aber gegen das LOCH im Reifen das kleinere Übel. Die Lösung dieser Herausforderung zeigte uns den wahren Wert des Geldes: Ein paar Euroscheine geschickt gefaltet verdeckten auf der Innenseite des Reifens positioniert den Riss und ermöglichten so eine Weiterfahrt. Was lernen wir noch daraus: Man sollte nicht nur in der Not mehr Geld in Reifen stecken!

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Dann war er da, der nächtliche Hunger. Dann war sie da, die kleine Bäckerei am Straßenrand. In Kroatien. Heißer Kaffee, Kebap, Apfelstrudel, Cola, warme Sitzmöglichkeiten – alles, was das Herz und der Bauch bei Langstreckenradlern um ein Uhr Früh benötigt um wieder kräftig in die Pedale treten zu können. 

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Die nächtlichen Straßen schienen uns zu gehören. Bis ins Zentrum von Zagreb. Bei einem Fastfoodketten-Kaffee waren wir guter Laune und voller Hoffnung auf die bevorstehenden 4000 oder so Höhenmeter die geduldig auf uns warteten. Aber dann, war es die Qualität des Geldes und des Reifens die völlig der guten Stimmung die Luft entzogen. PFFFFFFFF

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Das Bild erzählt uns mehr als viele Worte es je könnten. Die Luft ist weg. Das Loch im Reifen zu groß. Die Straßenlaterne beleuchtete den traurigen Moment. Wir mussten HoKo mit seiner Panne alleine zurück lassen. Da warens nur noch drei. Pannenverschonte Männer. 250 Kilometer. Und noch viel mehr Höhenmeter. 

Die Stimmung war düster wie die Nacht. Wir rauschten still dahin. Bis uns ein fantastischer Sonnenaufgang neues Leben einhauchte.

Wach geküsst erlebten wir gleich Historisches. Die Strecke führte uns entlang der alten Karolinenstraße. Jener ersten Route die von Karlovac in Richtung Rijeka zum Meer führte. Alte Brücken über den bezaubernden Fluss Dobra, die Burgruine Novigrad und etliche Kilometer Schotter- bzw. Geröll- bzw. Forstwege. Weil Straßen waren das dann keine mehr. Und wir leider keine MTBiker…

So sammelten wir auf dünnen Reifen leise fluchend viele Anekdoten. Wer nichts erlebt, hat nichts zu erzählen. Der holprige Umweg verwandelte uns zu verrückten Abenteurern. Das fühlt sich viel besser an als nur Rennrad- oder Langstreckenfahrer zu sein. Auch wenn wir dann oft sogar schieben mussten.

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Wer viel geschoben hat, die ganze Nacht im Sattel saß und von heißen Sonnenstrahlen auf den vielen Höhenmetern treu begleitet wurde, der ist dann hundemüde. Da kommt dann eine harte Steinmauer gerade recht.

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Atemberaubende Landschaft. Atemraubende Höhenmeter. Und dann eine Überraschung. 50 Kilometer vor dem Ziel waren wir wieder zu viert. Unser Streckenplaner, Motivator und Fahrradmechaniker hatte alle Herausforderungen angenommen, hervorragend bewältigt, die Strecke geschickt abgekürzt und so konnten wir gemeinsam finishen. Die kleinen Wunder sind in Wahrheit groß!

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DANKE! Es war festlich. Frühlingshaft. Fein. Freundschaftlich. Fantastisch. (Fast immer) fahrbar. Ein Fleche, der nicht so schnell vergessen werden wird. Geprägt hat. Und zu VIERT gefahren wurde. Alles andere ist Geschichte.

3 Gedanken zu “Eins. Zwei. Drei. (Vier).

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