Lakemania

Ist das extrem? Mit falscher Identität, bei durchschnittlich minus 5 Grad und starkem Wind drei Mal mit dem Rennrad 340 Kilometer um einen See zu fahren? Danach weiß ich in jedem Fall wie extrem schön es war. Und anstrengend. Aber genau genommen war es ja nicht ich, der da fuhr, sondern Franz.

So etwas kann passieren. Genau dann, wenn eine wunderbare Veranstaltung wie das 24-Stunden-Burgenland-Extrem auffordert in 24 Stunden drei Mal um den Neusiedlersee zu fahren. Mit dem Fahrrad. Oder aber auch einmal zu Fuß den See zu umrunden. In jedem Fall wettbewerbsfrei. Ich entschied mich für ersteres, leider zu spät. Alle Startplätze waren ausgebucht. Und dann wurde ein fixstartender Radfahrer krank. Der Franz. Und ich übernahm für 24 bzw. 15 Stunden seine Identität. Danke!

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6:30 Uhr, Podersdorf. Am Start froren dann bei minus zehn Grad 126 tapfere Radfahrer. Es wurde noch einmal gezweifelt: Hätte ich nicht doch die wärmere Jacke anziehen sollen? Und werden meine Zehen wohl nicht abfrieren? Aber dann wurde schon fleißig in die Pedale getreten und bald hatte man eine rote Nasenspitze und viel Wind von der Seite.

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Nach einem hektischen Start fand ich mich bald in einer schnellen Gruppe mit österreichischen Randonneuren wieder. Das war gut so. Schnell vergaß man die kalten Finger und das eingefrorene Gesicht bei netten Gesprächen unter Kollegen. Enzo war das große Glück der ersten Runde. Der kennt den See und die umliegenden Straßen wie seine Trikottasche. Er lotste uns auf den verkehrsarmen und vor allem eisfreien Seitenstraßen bestens um den See.

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Und wenn die Straße sich unter einer dicken Eisschicht versteckte, wurden wir früh genug gewarnt. Besser als von einem Navigationsgerät diktiert flogen wir durch die vereiste Landschaft. Apokalyptisch will man die in Nebel getauchten und erstarrten Bäume, Weingärten und Äcker nennen. Es war bezaubernd. Bis auf den eisigen Wind. Wenn er von vorne kam, war er natürlich besonders gemein.

Schon bald überrundeten wir die in Oggau gestarteten über 2000 Geher/Läufer, kämpften gegen den Wind und schlechten Asphalt in Ungarn und wurden dann mit saftigem Rückenwind zurück nach Podersdorf gepeitscht. Der warme Tee im Seecafe ließ mich meine Finger wieder spüren und motivierte für die nächste Runde. Ich ließ die schnellen Randonneure ziehen und kämpfte von nun an alleine gegen Wind und Kälte.

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Die zweite Runde war echt zach, teilweise. Die Eissurfer freuten sich bestimmt über den starken Wind. Die Radfahrer nur, wenn er von hinten kräftig anschob. Und die Kälte zehrte zusätzlich Energie. Das Eis in meinen Wasserflaschen half genau so wenig gegen den Durst wie mein Überschuhe gegen die Kälte. Das war schon Burgenland-Extrem.

Doch Franz war ausdauernd und trotzte den widrigen Umständen. Radfahren war immer noch schöner als alles um ihn herum. Dann war da schon wieder Poderdorf und das warme Seecafe. Aufwärmen, Tee trinken und der Gedanke: Wer zwei Runden fahren kann, schafft auch drei. Und die Dritte war dann wieder nicht mehr so zach. Auch weil der Wind ein bisschen nachgelassen hat und die Zehen und Finger sich schon fast an den Wahnsinn gewöhnt hatten.

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Und war das extrem? Naja. Schon irgendwie. Aber eben auch richtig schön (kalt). Auch zu wissen einer der 26 Finisher zu sein. Bleibt dann noch die Frage, ob man das wieder tun würde? Wer weiß, vielleicht startet Franz im nächsten Jahr gemeinsam mit David.

3 Gedanken zu “Lakemania

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