Das blaue Wunder

Was ist denn da passiert? Ein Rennlenker am Mountainbike? Da ist wohl ein Rennradfahrer von der geteerten Straße abgekommen. Den Lenker fest umklammert rumpelt er über Schotter, Wurzeln und Waldboden. Ja genau! Und das auf einem Fahrrad, das in seiner Art besonders ist, das wahre Fahrfreude bereitet und an dem ich mich nicht satt sehen kann. Schreibe ich das gerade wirklich über ein MTB? Vor ein paar Monaten hätte ich es für unmöglich gehalten. Vielleicht weil ich bis dato dachte, das Rennrad sei die Königin der Räder. Bis dato.

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Und dann war da das Offroad-Langstrecken-Rennen namens Venetotrail, an dem ich unbedingt teilnehmen wollte. Und dann entdeckte ich den wunderbaren Rahmen Piolet von Velo Orange. Und dann war es um mich geschehen. Ich musste mich zum ersten Mal in meinem Leben mit MTB-Komponenten auseinandersetzen. Fühlte sich eigenartig an. Nun ja, wenn ich von dem Rad als einem MTB schreibe, sollte unbedingt hinzufügt werden, mit Rennradgenen. Denn, wie schon erwähnt, bevorzug(t)e ich dünne Reifen und Asphalt. Und ein anständiges Fahrrad besitzt nun mal einen Rennlenker. Punkt. Außerdem, in Zeiten von trendigen Gravelbikes, ist das schon wieder fast normal. Zudem fehlt, natürlich ganz bewusst, dem Rad jegliches federndes Element. Bis auf die wunderbar schlanken Stahlrohre natürlich.

Da ich mich durchaus schon ausgiebig von der Grandiosität dieses Rades überzeugen konnte, ist es höchste Zeit das blaue Wunder hier und jetzt vorzustellen. Beginnen wir also beim Antrieb: Hinten dreht sich eine 10-fach Kassette (11-36) und vorne zwei Kettenblätter (38-24). Der Übersetzungsbereich passt optimal und die Abstufung ist perfekt. Schimano SLX Schaltwerk, Umwerfer und Kurbel arbeiten präzise und sind, wie gewohnt von den Japanern, bestens miteinander abgestimmt. Der Trend zur 2-fach Kurbel auch im MTB-Bereich erscheint mir als sehr sinnvoll.

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Aber welche Schalthebel? Die erste größere Herausforderung. STIs passen zwar perfekt auf den Rennlenker sind aber mit MTB-Schaltsystemen bei Shimano nicht (mehr) kompatibel. Die kompatiblen MTB-Schalthebel machen sich am Lenker wiederum nicht gut. Die Lösung: Lenkerendschalthebel. Nur nicht von Shimano, da diese ja auch aus der Rennradecke kommen. Puuhhh. Nach ein wenig Recherche werden mir in mehreren amerikanischen Foren Lenkerendschalthebel von Microshift empfohlen. Sollten laut den Angaben der User Shimano-MTB-Schaltsysteme perfekt schalten. Nächstes Problem: Woher bekomme ich solche? Lange Geschichte mit Happy End. Die Schaltvorgänge sind optimal! Die Hebel liegen perfekt in der Hand.

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Bei den Laufrädern entschied ich mich für die DT Swiss 466d Felgen und DT Swiss Competition Edelstahl Speichen. Hinten läuft eine Shimano XT Nabe und vorne ein Shutter Precision PL-8 Nabendynamo. Ich denke, eine ganz gute Wahl für meine Vorhaben. Da ich zwar von mehreren Seiten ermutigt worden bin schlauchlos zu fahren, ist dem nicht so. Die Smart Sam Plus Reifen (29×2.1) von Schwalbe laufen dennoch ruhig und meinem Empfinden nach recht rollwiderstandsarm (was für ein Wort) über Asphalt und mit ein bisschen weniger Bar auch haftungsstark (!) offroad.

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Gebremst wird mit Scheibe (160). Mechanisch. Jawohl. Das gute alte Bremsseil, das mag ich. Und wie fantastisch das auch ohne Bremsflüssigkeit funktioniert beweist auf eindrucksvolle Weise Avid mit der BB7 Road SL: Sehr gute Dosierbarkeit, packt dennoch stark zu, leise und zudem schick. Passt hervorragend zum löchrigen Ausfallenden!

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Ich habe ihn gefunden. Den perfekten Sattel. Das beweisen die 600 am Stück gefahrenen Kilometer und die ausbleibenden Schmerzen am Hinten! Da hat einfach nix gezwickt!! Wahnsinn. Danke an Brooks und den B17 Imperial. Wir werden Freunde fürs Leben. Egal auf welchem Fahrrad.

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Und zum Schluss noch ein Wort zu dem etwas komisch anmutenden Lenker. Ist in diesem Bereich gerade ziemlich hip. Ja, ich weiß. Aber was sage ich nach 600 Kilometern dazu? Ich liebe dieses Teil. Denn 1. ist es ein Rennlenker, 2. der vielen Griffpositionen wegen, 3. ist der so schön breit, daher hat man auch bei grobem Untergrund alles gut im Griff und 4. für die Langstrecke ideal. Entschieden haben ich zwischen dem Satori Boon Docks und dem Salsa Woodchipper. Geworden ist es ersterer weil zweiterer schien mir zu breit.

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Und dann war da noch die blaue Lackierung mit der Aufschrift Velo Orange. Da konnte ich nicht anders, als ein oranges Lenkerband und orange Schalt- und Bremsbowden zu montieren. Das blaue Wunder fährt sich nicht nur wunderbar sondern sieht auch so aus. Und ein Wunder, weil ich das von einem MTB nie gedacht hätte. Ein MTB mit Rennradgenen natürlich.

 

2 Gedanken zu “Das blaue Wunder

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