Fleche Sloregenija

Fünf Männer im Regen. 24 kalte Stunden. 418 Kilometer. Eine süße und eine kompetente Kellnerin. Rennräder mit Schutzblechen. Slowenien, Kroatien und noch mehr Regen. Malerische Landschaft. All das, weil dem Aufruf der slowenischen Randonneure gefolgt wurde einen Fleche zu fahren. Also mindestens 360 km in 24 Stunden zu pedalieren. Zu dritt oder mehr mit dem Zielort Ivancna Gorica.

Von dort beschlossen wir, beziehungsweise unser fleißiger Strecken– und Lampenbastler, Teamchef und Motivator um 17 Uhr zu starten. Niemand ahnte davor jedoch, dass uns die Italiener just an diesem Wochenende ein Tief schicken würden. Gut so. Denn vielleicht hätten wir dann wärmere Umgebungen bevorzugt und wären nie von jener kroatischen Kellnerin entzückt worden. Schade wäre es auch um die reizvolle Begegnung mit dem Tankwart in Senj gewesen. Aber fangen wir doch ganz von vorne an: Mit 20% Steigung und einem Ausrutscher.

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Aller Anfang ist steil. Manch einer (!) musste sogar schieben. Man bekam es schon mit der Angst zu tun, die restliche Strecke würde diesem harten Start folgen. Natürlich nicht. Zu eifrig wurde zuvor nächtelang an der Strecke getüftelt. Ein paar Kurven später ging es schon wieder bergab. Dabei hatte ich die Gelegenheit mich und meinen Fahrstil voll in Szene zu setzen. Geblieben ist mir nur ein schmerzender Asphalt-Ausschlag. Zum Glück blieb das der einzige Stunt. Naja, vielleicht nicht ganz. Und es regnete.

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Die Nacht brach schnell herein. Viel kälter wurde es nicht. Es war ja schon saukalt. So wurde jeder Stopp ein Kampf gegen das Zittern. Sofort wurden alle Wärmequellen in der nahen Umgebung ausfindig gemacht. Da wurde auch abwechselnd der eklige Heizkörper in der Toilette umarmt. Oder der Handtrockner zum wahren Freund. Vor allem wurde jener Burgerketten-Mitarbeiter zum Held, der uns fünf Minuten vor Sperrstunde die Tür zu Pommes, Burger und Cola aufhielt! Das war um fünf Minuten vor ein Uhr Nacht in Rijeka. Auch Leidende haben Glück. Und es regnete.

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Ein wenig gestärkt verließen wir die Industriestadt. Zwei am illegalen Weg, über die Ölraffinerie, vorbei an der schnarchenden Securitylady. Der Rest schaute dieser noch ein Weilchen zu und entschied sich für eine kleine Irrfahrt auf legalem Weg. Kurz darauf fand man sich wieder mit der böigen Bora kämpfend auf der Küstenstraße in Richtung Senj. Und es regnete.

Weil dort der Tankwart gern seine Tankstelle für sich hat, stark unterkühlten und komplett durchnässten Radfahrern vorgaukelt einen Kaffee zu spendieren und sie vor die Tür setzt, um sie mit bösem Blick draußen leidend herum hopsen zu sehen, kamen die 700 Höhenmeter auf den Vratnik Pass genau zum richtigen Zeitpunkt. Da konnte man sich wieder warm fahren. Und es regnete.

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Dann kam die landschaftlich wirklich zauberhafte Strecke. Leider war man zu sehr mit dem Nass und dem Kalt beschäftigt. Aber bei Sonnenschein wäre das sicher richtig romantisch gewesen. Weniger romantisch aber dafür bissig geht es dort auch zu. Vor allem wenn plötzlich ein Hund zähnefletschend das Radlerwadel ins Visier genommen hat. 550 Watt Angst bekommt man da und muss feststellen, dass der Spruch: Den Letzten beißen die Hunde, nicht zutrifft. Zum Glück wurden auch die ersten nicht gefressen und man konnte gemeinsam bei der süßen Kellnerin in Ogulin 30 Minuten auf Pommes warten. Und es regnete.

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Nun, die schnellere Bedienung, die uns ein paar Stunden später, 30 Kilometer vor dem Ziel heißen Kaffee servierte, nachdem wir in einem Bushaltestellenhäuschen gefroren hatten, war nicht so hübsch wie erstere, da waren wir uns durchaus einig, aber man kann nicht alles haben. Der warme Kaffee schmeckte trotzdem. Ob dann auf den letzten Kilometern die entblößten Brüste einer Frau motivierten, will an dieser Stelle nicht kommentiert werden. Und es regnete.

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Im Ziel war man zufrieden, dankbar und glücklich. Durfte man auch sein. Angestoßen mit den anderen Randonneuren aus Kroatien und Slowenien wurde in einer Mischung aus Disco und Fitnessstudio des „local heroes“ von Ivancna Gorica, Toni. Der Wüstenmarathons läuft, Bier braut und Musik aus den 80ern und 90ern auflegt. Das hat den Teamchef gefreut, das mit der Musik. Das mit dem Bier haben alle gut gefunden, weil es gratis war.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Hause. Und es regnete nicht mehr.

2 Gedanken zu “Fleche Sloregenija

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