8d8h17min

Unfassbar! Auch nach 75 Minuten Vortrag: 8 Tage, 8 Stunden und 17 Minuten fuhr Severin Zotter mit dem Fahrrad von der West- zur Ostküste der USA. Geschlafen hat er dabei nur 8 Stunden. Gelitten hat er auf den ca. 4800 km ein wenig. Gewonnen hat er damit das Race Across America 2015. Erzählt hat er davon in einem Vortrag. Und ich durfte voller Begeisterung seinen Worten lauschen.

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Wer bei diesem Fahrradrennen der Superlative über die Ziellinie rollt, hat übermenschliches geleistet. Was befindet sich schon so nahe an der Unmöglichkeit? Über 50 000 Höhenmeter quer durch 12 Bundesstaten der USA zu radeln und dabei unter 12 Tagen zu bleiben. Wüsten, extremes Wetter, Höhe, starker Verkehr, Schlafentzug, Schmerzen, kein Preisgeld sind nur ein paar Begriffe auf dem Weg, den Severin Zotter als Ziel beschreibt. Aber WARUM? Und wie ist das zu schaffen. Zu gewinnen? Wie fühlt sich das an? Und noch einmal, WARUM? Fragen auf die der Sieger der 34. Auflage des RAAM pointierte Antworten lieferte.

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Die beste Antwort auf die mehrfach gestellte Frage: Das lachende Gesicht Severin Zotters auf den letzten 100 Kilometern: „Ich habe einfach Spaß am Radfahren!“ Unglaubwürdig betrachtet das Publikum das projizierte Bild, während der Fotografierte von der Freude am Radfahren erzählt. Da rücken dann die Fakten in den Hintergrund, wie die täglich 16-20 getrunkenen Liter oder die Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 km/h. Da kommt ein Mensch ans Licht, der das Fahrradfahren liebt. Diese Basis und die vielen Zutaten die es braucht, um als Schnellster gefeiert zu werden, stehen im Erfolgsrezept: ein hohes Maß an Konsequenz, ein wundervolles Team, viele kleine Ziele, Christoph Strasser als Freund, Glück und motivierende, begeisternde Menschen. Wenn all das und noch viel mehr nicht nur optimal funktioniert sondern perfekt harmonisiert werden die Grenzen der Unmöglichkeit neu definiert.

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Die größten Herausforderungen für den Rookie war der Schlafentzug. Wie sehr sich dieser in den letzten Tagen des Rennens auf seine Wahrnehmung ausgewirkte erzählte der Langstreckenradfahrer in ein paar anschaulichen Geschichten. Er musste erinnert werden, was er gerade macht, wo er sich befindet und wohin er fährt. Manchmal dachte er im Kreis zu fahren. Dann war da noch der großteils rücksichtslose Verkehr. Aus einem Pickup wurde er sogar mit einer vollen Bierdose beworfen und zum Glück verfehlt. Temperaturen von 45 Grad Celsius haben ihm auch ordentlich zugesetzt und fast zur Aufgabe gezwungen. Da sind das defekte Wohnmobil, unbeschreibliche Zahnschmerzen, juckender Hautausschlag und eine gebrochene Sattelklemme Normalitäten in einem Radrennen der Extreme.

Auf meine Frage, ob er in Zukunft noch einmal an den Start gehen wird, antwortete er mit einem „Vielleicht“. Denn für den nächsten Schlafentzug wird der Nachwuchs verantwortlich sein. Und der hat natürlich, bei aller Liebe zum Radfahren, Priorität!

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